Ordenfrauen eröffnen Schutzwohnung für Prostituierte in Innsbruck

"Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus – und ich denke, ich spreche hier für viele meiner Ordenskolleginnen – hat dieses Engagement sehr viel mit Hinschauen und nicht den Blick abwenden, mit wahrnehmen, mich betreffen lassen, hinterfragen und Ungerechtigkeiten aufzeigen zu tun." Sr. Andrea Bezáková, Sr. Anna Mayrhofer und Sr. Patricia Erber haben am 23. Mai 2017 in einem Pressegespräch in Innsbruck die "Solwodi-Schutzwohnung und Beratungsstelle für Frauen, die von Menschenhandel, Zwangsprostitution, Ausbeutung und Gewalt betroffen sind" vorgestellt und eröffnet.

 

Österreich ist Transit- und Zielland für Prostitution

Sr. Patricia Erber von den Salvatorianerinnen und Vorsitzende des Vereins SOLWODI Österreich mit Sitz in Wien zu ihrer Motivation: "Je mehr ich in Kontakt gekommen bin mit Frauen, die in die Prostitution gezwungen wurden, umso betroffener war ich und umso unverständlicher war es für mich, wie hier mit Frauen umgegangen wird, die bereits in ihren Herkunftsfamilien und –ländern wenige Chancen hatten und Gewalt erfahren haben. Es sind hier viele Formen und Facetten von Zwängen und Abhängigkeiten, die die Frauen letztendlich „gefangen halten“ und es ihnen schwer machen auszubrechen. Als Ordensfrauen sind wir aufgerufen, hinzuschauen und nicht wegzuschauen, wo Menschen und hier konkret Frauen und Mädchen ausgebeutet werden, Gewalt erfahren und in einer Art „Gefangenschaft“ gehalten werden - und das mitten unter uns - vielleicht auch in unserer Nachbarschaft." Durch extreme Armut und Notsituationen, falsche Versprechungen und der Hoffnung auf ein besseres Leben verlassen Frauen ihre Heimatländer. Mithilfe finanzieller Abhängigkeit, Ausnutzung ihrer Hilflosigkeit, Androhung und Ausübung von psychischer und physischer Gewalt werden Frauen in ausbeuterische Beziehungen, Arbeitsverhältnisse oder in die Prostitution gezwungen und so ihrer Rechte und Würde beraubt. Frauenhandel ist eine Verletzung der Menschenrechte. Erber weiß: "Österreich ist Transit- und Zielland zugleich. Tausende Frauen -  vor allem Ausländerinnen - werden nach Österreich gebracht um in der Prostitution zu arbeiten und sind vielfach Opfer von Menschenhandel. Die Identifizierung der Opfer ist schwierig und noch mehr die strafrechtliche Verfolgung der Täter."  SOLWODI Österreich ist eine gemeinsame Initiative von sechs Frauenorden in Österreich und wird zum größten Teil von den Frauenorden in Österreich finanziert sowie von einzelnen PrivatspenderInnen unterstützt. "Für die Einrichtung in Innsbruck haben wir ein kleines Startkapital bei Seite gelegt, benötigen aber langfristig noch finanzielle Unterstützung und vertrauen auch auf die Solidarität der Menschen in Tiroll", appelliert die Vorsitzende.

 

Schutzwohnung und Beratungsstelle in Innsbruck

Sr. Anna Mayrhofer von den Franziskanerinnen und Leiterin von SOLWODI Österreich, selber jahrelang direkt in Kontakt mit betroffenen Frauen in Schutzwohnungen weiß um die Fakten in Österreich ziemlich detailliert bescheid: "In Österreich wird die Zahl der Prostituierten auf 10.000 geschätzt, wovon ungefähr zwei Drittel registriert sind. Sie kommen zu 90 – 95 Prozent aus dem Ausland, um der Armut und Not ihrer Heimatländer - besonders Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Nigeria, Tschechei, Slowakei, China - zu entkommen. Neben materieller Armut, mangelnder Schul- und Berufsausbildung und Arbeitslosigkeit erlebten die Frauen oft schon in ihren Herkunftsfamilien neben Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit, Gewalt bis hin zum sexuellen Missbrauch. Durch falsche Versprechen, Ausnützung der Hilflosigkeit oder Gewalt werden die Frauen in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse oder in die Prostitution gezwungen oder Opfer von Menschenhandel." Mayrhofer baut bei dieser Herausforderung auf Zusammenarbeit: "Für die konkrete Unterstützung der Frauen wird die Vernetzung und Zusammenarbeit mit allen Beratungseinrichtungen und Hilfsorganisationen, die für Prostituierte, Frauen und Migrantinnen tätig sind, aber auch mit Behörden und Institutionen des öffentlichen Lebens angestrebt. Frauen - auch mit Kindern -, die akut bedroht oder Opfer von Gewalt und Ausbeutung sind, können Aufnahme in einer anonymen Schutzwohnung finden. Die Schutzwohnung bietet Unterkunft für ca. fünf Frauen, in der sie zur Ruhe kommen und Hilfe bei der Bewältigung und Normalisierung des Lebensalltages und Entwicklung von neuen, realistischen Lebensperspektiven erhalten." Die Adresse wird aus verständlichen Gründen geheim gehalten. Nicht geheim ist die Adresse der Beratungsstelle in der Maximilianstraße 8 in Innsbruck: "Für Erstkontakte und Nachsorge der ehemaligen Bewohnerinnen wurde eine kleine Beratungsstelle eingerichtet. Das Beratungsangebot ist anonym und kostenlos."

 

Es braucht viel Sensibilisierung für dieses Thema

Sr. Andrea Bezáková von der Congregatio Jesu und zuständig für Beratung und Begleitung vor Ort in Innsbruck sieht viel konkrete Kleinarbeit auf sich zukommen: "In vielen persönlichen Gesprächen konnte ich feststellen, dass die Lebenssituation von Prostituierten, Zwangsprostituierten und Menschenhandelsopfern wenig bekannt ist und es noch vieler Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung bedarf." Bezáková ist froh um die gute Zusammenarbeit zu den Behörden und zum Land Tirol: "Eine gute Vernetzung und Zusammenarbeit ist uns ein großes Anliegen und wir haben dabei konkrete Unterstützung von der Landesrätin Christine Baur, den Tiroler Ordensgemeinschaften und MitarbeiterInnen der Caritas und der Diözese Innsbruck erhalten. Erste Gespräche fanden auch mit Vertretern der Polizei und Behörden statt. Sie waren alle sehr positiv und unterstützend." Die konkrete Beratung und Begleitung der Frauen umfasst Folgendes: "Es geht um die Beratung bzw. Begleitung bei medizinischen, rechtlichen, sozialen und psychischen Problemen und Unterstützung bei Behördengängen. Die Vermittlung von Rechtsbeistand, die Hilfe bei der Klärung des aufenthaltsrechtlichen Status oder Hilfen zum Ausstieg aus der Prostitution sind sicherlich im Vordergrund. Die Vermittlung von Alphabetisierungs- und Deutschkursen sowie Unterstützung bei Wohnungs- und Arbeitssuche werden uns beschäftigen. Nicht zuletzt geht es auch um Unterstützung bei der Rückkehr ins Herkunftsland, wenn dies möglich ist." Die Ordensfrauen warten aber nicht nur, bis wer kommt: "Zukünftig planen wir auch mit aufsuchender Sozialarbeit zu beginnen. Durch regelmäßige Besuche an den Orten der Prostitutionsausübung können die Frauen Kenntnis über Beratungs- und Unterstützungsangebote erhalten und zu den Sozialarbeiterinnen Vertrauen aufbauen." Bezáková hält mit ihren Wünschen nach Mithilfe nicht hinter dem Berg: "Wer uns ehrenamtlich unterstützen will und sich der Situation gewachsen fühlt, ist herzlich willkommen. Und: Wir sind auch froh um jede materielle und ideele Unterstützung."

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